Sunday, September 05, 2010

Chengdu Update 5.9.10

Liebe Freunde und Familie,

seit nunmehr drei Wochen sind wir Chengdu, und seit zwei Wochen wohnen wir in unserer eigenen Wohnung. Sophia liebt ihr Hochbett (sie besteht auf "Doppelstockbett"), wir 'Großen' vor allem den Gasherd und die Dachterasse. Aber alles der Reihe nach.

Nach einer tagelangen Suche haben Nate und Tang diese Wohnung ausfindig gemacht. Sie wird von einer Familie gemietet, die 6 Monate nach Xi'an zieht, weil der Sohn dort in die Schule gehen soll. (Vielleicht helfen sie ihm beim Eingewöhnen.) Deshalb gibt es hier in der 2. Etage ein Kinderzimmer, das für Sophia ideal ist - mit Blick durchs Fenster hinunter ins Wohnzimmer. Wir haben insgesamt drei Etagen in einem Hochhaus: unten Küche, Essecke, Wohnzimmer, Waschraum und Balkon; dann Sophias Zimmer, Dee's Zimmer und ein Bad; oben unser Schlafzimmer, ein Arbeitszimmer, Bad und Dachterasse. Diese ist besonders toll, weil sie an der Mauer entlang und in der Mitte begrünt ist, komplett mit kleinem Goldfischteich und Springbrunnen (den Sophia besonders mag). Dort sitzen sie und ich oft malen zusammen, er ist natürlich auch gut geeignet zum Lesen. - Fazit: wir haben eine riesige Wohnung, die wir uns in Berlin nie leisten könnten, die wir hier aber doch finanziell schultern können. (Für chin. Verhältnisse wohnen wir natürlich in der Luxusabteilung.)

Für Nate beginnt morgen das Semester, seine Kommiliton/innen aus Berlin sind inzwischen auch fast alle hier eingetroffen. Sein Stundenplan hat neben einem Chinesischkurs natürlich auch Seminare zu wirtschaftlichen Themen. Im Großen und Ganzen ist es wohl kein allzu voller Plan, allerdings gibt es genügend Projekte, mit denen er sich außerhalb der Uni beschäftigen möchte, z. B. Chinesisch lernen und ausprobieren.

Sophia und ihre Grandma haben sich gut an einander gewöhnt (das hat nicht lange gedauert), wobei sich unsere Tochter jedoch strikt weigert Englisch zu sprechen. Zum Glück rät Dee fast immer richtig, was Sophia von ihr möchte bzw. stellt ihr irgendeine Frage und das Thema geht woanders hin. Mittlerweile hat sie schon einige Worte Deutsch gelernt... wer weiß, vielleicht wird dieser Aufenthalt eher ein Deutschlernen für Dee als ein Englischüben für Sophia? :)

Emilia steht allem etwas gleichmütig gegenüber, so lange sie getragen wird und rechtzeitig ihre Mahlzeiten bekommt. Gestern hat uns ein anderer chinesischer Freund (Yi, sprich "ie") geholfen, ein Kinderbett zu kaufen, wobei das Aushandeln des Preises 15 Min. gedauert hat. Ich habe nicht viel verstanden und alle drei (die Ladenbesitzer und er) waren in einer hitzigen Diskussion verwickelt - wobei es wohl um einen Preisunterschied von 10 yuan (sprich ca. 1 Euro) ging. Am Ende haben wir das Bett und einen Babybadewanne für 300 Yuan bekommen (also 30 Euro), und alle haben am Ende freundlich und herzlich gelacht.

Ich habe mich auch gut hier eingelebt, kann Obst, Gemüse etc. einkaufen und verstehe die Preise. Mit dem Handeln bin ich etwas zurückhaltend (aber was soll das auch, sage ich mir im Moment, bei z. B. 50 cent/ Pfund Pfirsiche). Die Leute in ihren kleinen Obst-, Gemüse- und Kurzwarenlädchen hier in der Nachbarschaft kennen uns schon, alle sind freundlich zu uns (hihi, vielleicht, weil wir immer den vollen Preis bezahlen?). Wenn wir etwas weiter wegmüssen, z. B. zu dem Supermarkt, der die westlichen Produkte führt, fahren wir entweder mit dem Taxi oder dem Fahrrad-/ Mopedtaxi. Diese sind billiger und auf kurzen Strecken fast genau so schnell. Und wenn ich mich und Sophia schon nicht anschnallen kann, dann lieber auf einem Fahrzeug, das auf dem Radweg fährt!

Das Wetter ist hier jeden Tag ähnlich: neblig und bewölkt, allerdings (noch) ziemlich warm, mit Regenschauern. Die Sonne zeigt sich nur alle paar Tage mal. Ich hatte erwartet, dass mich das etwas depressiv macht, aber bisher ist das nicht eingetreten und ich denke, wenn wir uns mit anderen Dingen beschäftigen, werden wir auch nicht über den Regen jammern. :) Und immerhin: Yi hat uns (halb im Scherz, halb im Ernst) erzählt, dass man sich in anderen chinesischen Städten wegen der Luftverschmutzung vor dem Regen schützen muss...

Die Vegetation hier ist übrigens eher subtropisch: Palmen, Farne, Bambus. Ich weiß nicht, ob diese Pflanzen hier ansässig sind oder ob sie im Zuge des Städtebaus hier eingeführt wurden, aber toll finde ich das allemal. Unser Wohngebiet hat einen kleinen Teich mit einem Pavillion und einer kleinen Grünanlage drum herum, so dass wir hier auch mit Sophia spielen gehen können. Platz zum Fußballspielen gibt es, und einen - lila!- "Spielplatz", wobei dort die Schaukeln und die Reckstangen die einzig geeigneten Kinderspielgeräte sind. Der Rest sind eher Sportgeräte für Erwachsene, die die Kinder natürlich auch benutzen. Trotzdem bin ich froh, dass wir nicht weit laufen müssen, wenn Sophia mal Hummeln im Hintern hat.

So, zum Schluss schicke ich euch noch unsere Adresse im Anhang, falls ihr mal einen Brief oder eine Karte schicken wollt (Sophia würde sich bestimmt freuen, und wir uns auch) - einfach den chin. Teil im Word-Dokument ausschneiden und aufkleben. Die lateinischen Buchstaben sind nur für euch zur Info.

Meine Telefonnummer hier ist 0086 - 15198063202 (Handy, mit Billigvorwahl aber für ca. 3c/ Min erreichbar), Nates ist 15198063107.

Und schließlich noch meine neue E-Mail-Adresse (mein GMX-Postfach ist zu klein geworden), von der ich euch auch hier schreibe: constanze.saunders@gmail.com

Im Anhang auch zwei Fotos, hoffentlich kann ich bald mehr schicken. Diverse Online-Fotoalben sind von hier nicht erreichbar (z. B. PIcasa), und ich muss meine Bilder verkleinern, weil unsere Internetverbindung nicht so schnell/ belastbar ist.

Ganz liebe Grüße an euch alle,

Conny

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