neue Zeitrechnung: 2 Tage n. G.
"n. G." steht für "nach Gießen". Dort nämlich waren wir drei von Donnerstag bis Sonntag, und dort nämlich habe ich einen Vortrag gehalten, und dort nämlich hat sich Nate zwei Tage lang mit Sophie allein-unterhalten müssen, und deshalb nämlich waren wir alle vorher sehr gestresst. Während ich in den Wochen "vor Gießen" immer an meinem Laptop hing und versuchte, eine logische PowerPoint Präsentation zusammen zu stellen - und dabei nörgelnd, was ich mir dabei gedacht hatte, mich dort mit einem Abstract anzumelden, damals im März - saß Nate meist mit einer quengeligen (weil hungrigen) Sophie auf dem Schoß und versuchte mir möglichst sanft beizubringen, dass ich bitte unser Mädel stillen muss. Am Tag vor der Abreise hatte dann weder Nate noch ich auch nur das kleinste bisschen Lust, nach Gießen zu fahren (4 Std. mit dem Zug, 1x umsteigen, und mein Vortrag am Samstagmorgen halb 10.... wer würde da schon kommen???).
Aber das Schicksal meinte es gut mit uns: wir wohnten in einer netten Pension in Bahnhofs- (wenn auch nicht Uni-)Nähe, wo wir ein großes Zimmer unterm Dach und eine kleine Küche für uns hatten. Alle drei Stunden trafen wir uns vor der Uni, suchten uns eine abgelegene Bank, wo ich stillen konnte, und erzählten uns, was inzwischen so passiert war. Nate ging eigentlich mit Sophie fast nur spazieren und machte Fotos. Das hier zum Beispiel:
Ich weiß zwar nicht, was das für ein Gebäude ist, aber es zeigt so schön den beginnenden, herbstlichen Farbenwechsel der Blätter, der in Gießen überall zu sehen war! Überhaupt hatten wir richtiges Herbstwetter: frische, klare Luft, aber auch Sonne und Wärme, da, wo die Sonnenstrahlen hinkamen. Insofern war unsere kleine Reise also ein Erfolg!
Und auch sonst: mein Vortrag wurde auf Freitagmittag vorverlegt (zu erklären, warum, würde zu lange dauern und ist auch nicht sehr interessant), er lief gut und ich bekam neugierige (wenn leider auch wenig hilfreiche) Fragen aus dem Publikum. Die Vorträge, die ich mir selbst angehört habe, waren größtenteils lohnenswert und anregend, so dass ich voller neuem Eifer für mein Fach von der Konferenz (der "Deutschen Gesellschaft für Fremdsprachenforschung") wieder wegfahren konnte. Aber ohne Nates geduldige Kinderwagenschieberei während der zwei Tage wäre das nicht möglich gewesen! Er ist wirklich ein Schatz! :)
Bevor wir aber am Sonntag wieder nach Berlin fuhren, machten wir am Samstag noch einen Ausflug nach Marburg. Das liegt ca. 30 Zugminuten nördlich von Gießen und wurde - anders als sein südlicher Nachbar - im Krieg nicht all zu sehr in Mitleidenschaft gezogen. In Marburg ist im Moment "Elisabeth-Jahr" oder so etwas, weil die Heilige Elisabeth von Thüringen (s. Wartburg) 1207 geboren wurde oder so. Was sie in Marburg gemacht hat, weiß ich leider nicht, aber was auch immer es war - es wird dort enorm vermarktet. Wir haben uns keine Ausstellungen o. ä. angesehen, weil das mit Kinderwagen nicht so praktisch ist, sondern haben Sophie über Pflastersteine bis nach oben auf das alte "Landgrafenschloss" geschoben bzw. getragen (damit sie nicht so durchgeschüttelt wurde). Oben angekommen, musste ich ersteinmal mit ihr wohin...
Aber dann konnten wir alle den Ausblick endlich in Ruhe genießen! Wir setzten uns in einen Park oben auf dem Berg und warteten, bis der nächste Bus wieder in die Stadt fuhr. Hier auf der Bank endlich konnten wir mal durchatmen und uns erholen - ich von meinem Kongress und Nate von den beiden Tagen des ununterbrochenen (erfolgreichen und liebevollen) Vaterseins! (Sophie machte derweil ein Nickerchen.)
Marburg ist wunderschön an der Lahn gelegen, umgeben von Hügeln, die jetzt im Herbst farbig strahlen:
Das also war der Blick vom Schloss in die "Unterstadt", die man (als kleine Familie) am besten per Fahrstuhl oder Bus erreichen konnte.
So, und nun noch zu dem allseits beliebten "was-kann-Sophie-schon-Neues"-Teil :)
Sie kann jetzt schon...
- ... (fast) ihren Schnuller selbst wieder in den Mund drücken, wenn er ihr entwischt. (Was die Oma vielleicht nicht so sehr freut, den Vater allerdings jedesmal wieder stolz macht ;) )
- ... Tücher, Kuscheltiere mit kleinen Beinen und ihre Flauschedecke festhalten und herumwedeln (aber nur zufällig). Manchmal zwickt sie mich auch schon mal im Eifer des Halte-Gefechts in den Hals.
- ... vom Bauch auf den Rücken rollen (aber bisher nur 1x).
- ... wie verrückt an ihren und an unseren Fingern saugen.
- ... und kichern (das konnte ich durch ein Anpirschen mit anschließendem ausdauerndem Krabbeln aus ihr herausholen! :) )
So, nun also, "nach Gießen" beginnt für uns hier eine neue Zeitrechnung, in der keine entnervte Conny mehr durch die Wohnung hechtet und Mann und Kind mehr auf Trab hält als diese sie. Diese Woche wird sauber gemacht, wir wollen morgen mit Freunden Kürbisse schneiden (d. h. wir wollen "jack-o-lanterns" machen) und heute hatten wir auch unser erstes PEKiP-Treffen (das etwas enttäuschend verlief, aber vielleicht wird's nächste Woche besser...) Achso, und rennen war ich gestern auch zum ersten Mal wieder seit Monaten! (Es scheint, wir Mütter machen gerade alle so die gleichen Schritte :) )
Dann macht's mal gut, und hier noch ein Bild:

1 Comments:
Hallo liebe Conny,
ist doch immer wieder interessant, wohin es dich verschlägt und mit welchen Widrigkeiten du dich herumschlagen musst. Schön, dass du mich und wahrscheinlich viele andere mit deinem Blog auf dem laufenden hälst.
Die kleine Soiphie ist ein richtiger Hingucker. Bitte weiterhin viele Fotos davon.
Vielel Grüße, Kristin
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